Chelodina gunaleni

Deutsche Bezeichnung: Weißnasen-Schlangenhalsschildkröte

Gelegentlich auftauchende Bezeichnung: "Chelodina ipunabi"

Herkunft

2007 wurde von MCCORD & JOSEPH-OUNI Chelodina gunaleni beschrieben. Das Vorkommen dieser Schlangenhalsschildkröte liegt im Mimika-Distrikt im Westen der indonesischen Provinz Papua (Westhälfte Neuguineas). Sie ist bisher aus allen Sumpfgebieten zwischen den Dörfern Uta und Timika im Mimika-Distrikt bekannt.

Erstbeschreibung:

Link zur Erstbeschreibung Chelodina gunaleni

Größe:

Weibchen bis ca. 20 cm, Männchen bis ca. 16 cm Panzerlänge (Stockmaß).

Haltung von Chelodina gunaleni

Chelodina gunaleni ist eine leicht zu pflegende, schwimmfreudige Wasserschildkröte, die nicht krankheitsanfällig ist. Dies setzt jedoch eine gute Wasserpflege voraus (siehe unten). Die Tiere sind in keiner Weise untereinander oder gegen andere Arten aggressiv, selbst zwei Männchen können problemlos in einer Gruppe gehalten werden.

Beckengröße

Ab einer Grundfläche von ca.150x50cm für drei adulte Tiere und einem Wasserstand von ca. 30 bis 40 cm Höhe.

Beleuchtung

Eine normale Leuchtstoffröhre ist ausreichend, besondere UV-Lampen werden nicht benötigt. Lediglich in der Eiablagezeit ist ein Spotstrahler über dem Landteil nötig, dessen Wärme dann von den Eier tragenden Weibchen ca. drei Wochen vor der Eiablage genutzt wird.

Haltungstemperatur

27° bis 28° und in der Fortpflanzungszeit (ab Anfang November) bis zu 30° Celsius.

Beckengestaltung

Ich verzichte bei der Haltung von Chelodina auf jeglichen Bodengrund. Die Ablagerung von Abfallstoffen und die Belastung der Wasserqualität wird dadurch vermieden. Die Gliederung des Beckens erfolgt durch eingebrachtes Mangrovenholz oder Moorwurzeln. Ein zwischen den Scheiben angebrachtes Korkstück schafft einen beschatteten Bereich, unter den sich die Tiere gerne zurückziehen. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz von Schwimmpflanzen (z.B. Hornkraut oder Wasserlinsen) ebenfalls von Vorteil.

Wasserpflege

Gefiltert wird über einen eingeklebten Innenfilter, der mit Filterschwämmen bestückt ist. Der Filter wird mit Lufthebern betrieben. Wöchentlich erfolgt eine Filterreinigung und der Austausch eines Viertels des Aquarienwassers.

Futter

Adulte Tiere werden jeden zweiten Tag gefüttert. Abwechselnd kommen folgende Futtersorten zum Einsatz: Klein geschnittene Süßwasserfische oder gefrostetete Sardinen, Regenwürmer, Nacktschnecken, Süßwasserschnecken, Hundefutter (Dosenfutter - Pedigree mit drei Sorten Geflügel), Zophobas (Schwarzkäferlarven) und gelegentlich Teichfischfutter in Pelletform. Ein Sepia-Schulp für die Kalkversorgung der Tiere schwimmt immer im Becken.

Zucht von Chelodina gunaleni

Geschlechtsreife

Paarungen können schon mit zwei Jahren erfolgen. Die erste Ablage befruchteter Eier findet mit vier Jahren statt.

Geschlechtsunterschiede

Die Männchen haben einen etwas verlängerten Schwanz, allerdings ist der Größenunterschied nicht so deutlich wie z.B bei Ch. longicollis und erst mit ca. drei Jahren gut zu erkennen. Die Kloakenöffnung liegt bei männlichen Tieren aber außerhalb des Panzerrandes.

Bei adulten Tieren ist die Panzerlänge männlicher Tiere ca. 20% kleiner als die der Weibchen (siehe oben)

»Links ein weibliches Tier und rechts das Männchen im Alter von fünf Jahren.«

Mit einem kleinen Trick lassen sich Männchen ab einem Alter von ca. 18 Monaten herausfinden. Mit zwei Fingern werden die Hinterbeine der Schildkröte unter dem Panzer fixiert. Dabei sollte man selbst keinen Druck ausüben, sondern nur den Gegendruck des Tieres abfangen. Sehr häufig stülpen männliche Tiere dann den Penis aus.

»Dies gelingt oft, aber nicht immer - daher ist dieser Tipp ohne Gewähr.«

Eiablage

Für die Eiablage wird ein separater Landteil ab einer Größe von ca. 50x60 cm benötig.

Ich verwende zur Befüllung einfachen Spielkastensand in einer Höhe von ca. 20 cm, der leicht angefeuchtet ist. Über dem Landteil ist ein Spotstrahler angebracht.

Die Ablage der 6 bis 18 Eier erfolgt in einer Tiefe von ca. 10 cm. Zwei Gelege in der Brutsaison im Abstand von ca. 8 Wochen sind möglich. Die länglichen Eier sind ca. 3 cm groß und hartschalig. Nach der Ablage werden die Eier entnommen und separat inkubiert.

Befruchtete Eier färben sich innerhalb der ersten beiden Woche schneeweiß, unbefruchtete bleiben durchscheinend.

»Links ein befruchtetes und rechts ein unbefruchtetes Ei.«

Inkubationssubstrat

Bei mir hat sich Vermiculit bewährt.

Substratfeuchte

Ich mische zu gleichen Gewichtsanteilen Vermiculit und Wasser.

Das Substrat gebe ich in eine perforierte und mit Deckel verschlossene Heimchendose.

Im Inkubator befindet sich zusätzlich ein offenes Gefäß mit Wasser zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit. Gegen Ende der Inkubationszeit ist das Substrat abgetrocknet.

Inkubationstemperatur

27° bis 30° Celsius.

Eine Geschlechtsdetermination durch die Bruttemperatur scheint bei Chelodinaarten nicht vorzuliegen, sondern sie erfolgt vermutlich genetisch.

Brutdauer und Schlupf

Bei 28° Celsius ca. 74 bis 80 Tage.

Grundsätzlich gilt, dass die Inkubation von Chelodina gunaleni unkompliziert ist und Schwankungen der Temperatur und Substratfeuchte keine negativen Auswirkungen haben. Die Schlüplinge verbleiben oft noch ein bis zwei Tage in der geöffneten Eischale. Beim Schlupf ist unter den beschriebenen Bedingungen der Dottersack nicht mehr vorhanden.

Die Panzerlänge der Jungtiere beträgt beim Schlupf 3cm.

»Chelodina gunaleni - Hatchling einen Tag alt«

Aufzucht von Chelodina gunaleni

Das Aufzuchtaquarium

Die Aufzucht der Schlüpflinge erfolgt in den ersten zehn Wochen in einem Becken mit der Größe 60x30x30 cm (handelsübliches Einsteigeraquarium mit Abdeckung). In dieses Aquarium wird über die gesamte Grundfäche ein blauer, 5 cm dicker Filterschaumstoff mit feiner Strukturierung schräg eingeklemmt. So ergibt sich an der tiefsten Stelle ein Wasserstand von ca. 5 cm und an der höchsten Stelle bleibt ein Trockenstreifen an dem die Schildkröten das Wasser verlassen und sich "sonnen" können. Unterhalb des Filterschwamms befindet sich die Heizung und mittels eines Lufthebers wird das Wasser nach oben befördert. Der Vorteil dieser Konstruktion: Bei einem Wasserstand von 5 cm oberhalb des Schaumstoffs, befindet sich unterhalb noch ein größeres Wasservolumen. Außerdem sorgt die große Filteroberfläche für sauberes Wasser. Durch die große Oberfläche ist die Sogwirkung so gering, dass das Futter nicht eingezogen wird.

Die Wassertemperatur beträgt 29° bis 30° Celsius. Alle drei bis vier Tage werden 10 Liter des Aquarienwassers ausgetauscht und alle 3 bis 4 Wochen werden die Ablagerungen unterhalb des Schaumstoffs abgesaugt.

Bei dieser Art der Aufzucht konnte ich keine Krankheitsprobleme feststellen.

Danach können die Tiere in ein größeres Aquarium überführt und der Wasserstand langsam erhöht werden. Hierbei sollten die Jungtiere im ersten halben Jahr aber immer die Möglichkeit haben, das Wasser zu verlassen um unter einem Strahler abzutrocknen.

»Chelodina gunaleni - Jungtiere 6 Wochen alt«

Futter

In den ersten drei Wochen erfolgt die Ernährung mit Lebendfutter: Rote, weiße und schwarze Mückenlarven (Regentonne), Wasserflöhe und kleine Wasserinsekten. Wer keine Möglichkeit hat, selbst Tümpeln zu gehen, bekommt lebende rote Mückenlarven und Wasserflöhe in jedem Aquaristikgeschäft. Ab der dritten Woche können Frostfutter wie z.B. rote Mückenlarven und Artemia und ab der vierten Woche gefrostete Mysis (Kleinstgarnelen), kleine Mehlwürmer, Wurmstückchen, kleine Fischstückchen und kleine Wasserschnecken mit angeboten werden.

Wer seinen eigenen Schildkrötenpudding herstellt (geeignete Rezepte finden sich genügend im Internet), kann jetzt damit beginnen, die Jungtiere daran zu gewöhnen.

Die Fütterung erfolgt in den ersten Wochen zwei bis drei mal am Tag.

Kleine Stückchen von Sepia-Schulp sollten immer im Wasser sein.

Rearing Notes

Housing conditions for the hatchlings (8 weeks and older) in the aquarium:

Waterlevel: 10 cm with a way to leaf the water (for example cork).

Exchange of half of the water in the aquarium twice a week.

Temperature: 30° C with a basking spotlight.

Diet: Frozen red mosquito larvae, frozen Mysis, small pieces of earthworms and fresh water fishes, small water snails, living black mosquito larvae and Cyclops.

Literatur

Szymanski, Steffen (2007): Haltung und Nachzucht der Weißnasen-Schlangenhalsschildkröte (Chelodina spec.) - Marginata, Münster, Nr. 15, S. 24-30